Die Idee

"In einer Zeit, in der selbst Naturwissenschaftler nur noch die wissenschaftliche Entwicklung einzelner Aspekte ihrer Disziplin nachvollziehen können, geht es um Verständnis und nicht mehr um Verstehen im klassischen Sinne. Doch auch Verständnis und Kennerschaft brauchen Grundlagen. Exemplarisches Verstehen, Interesse und eine beispielhafte Vertrautheit mit naturwissenschaftlichen Phänomenen gehören zu diesen Grundlagen. Interesse entsteht am einfachsten und nachhaltigsten, wenn Naturwissenschaft und Technik in spannender Weise zugänglich gemacht werden“ [aus: „Science Center“, Studie im Auftrag des BMBF, VDI/VDE-IT, 2001].

Dieses Ziel verfolgt der Förderverein Science und Technologie e.V. durch unterschiedliche Veranstaltungen und Projekte schon seit Jahren. Der Ansatz, Menschen (wieder) in engeren Kontakt mit den Phänomenen, Erscheinungen und Entwicklungen unserer modernen Welt zu bringen, hat sich sehr bewährt. Damit sollen nicht nur das Verständnis und die Orientierung in einem „unübersichtlichen Gelände“ verbessert, sondern auch innere Widerstände und Ängste überwunden und Interesse, Spaß und Freude an der Auseinandersetzung mit diesen Entwicklungen geweckt werden. Je unmittelbarer und selbst gesteuerter dieser Kontakt und die Auseinandersetzung sein kann, desto weniger werden sich Gefühle des Abgeschnittenseins, der Entfremdung und des Nicht-Teilhabens an diesen Kulturleistungen bilden können.

Das moderne, hoch technisierte Lebensumfeld der Menschen, besonders der Jugendlichen in Europa und den USA, wird von einer Reihe von Faktoren geprägt, die, so beschreibt es Hartmut von Hentig eindringlich in seinen Büchern, zu einem schleichenden „Verlust der Wirklichkeit“ führen.

 

Der übermäßige und kritiklose Konsum neuer Medien birgt die Gefahr der „Enteignung der Erfahrung“ in sich, kann zu einem Leben aus zweiter Hand führen und damit ein allmähliches Verschwinden der Realität im Bewusstsein der Menschen bewirken. In die gleiche Richtung weisen die Thesen von Neil Postman. Er konstatiert die Reizüberflutung des einzelnen mit einem Übermaß an Informationen und Daten, die einzuordnen und zu bewerten immer schwieriger wird. Wir leben in einer Welt vielfältiger Reize und Angebote, die Wahlmöglichkeiten für Freizeitbeschäftigungen z.B. sind unzählbar. Die Lebenswelt wird zunehmend von elektronischen Medien beeinflusst und immer virtueller. Die Grenze zwischen Realität und Fiktion verschwimmt, Sekundärerfahrung schlägt Primärerfahrung, die Konzentrations- und Wahrnehmungsfähigkeit von Erwachsenen und Kindern verringert sich. Wirklichkeitsverluste – wie wir sie täglich erleben – beginnen damit, dass die Menschen die sie umgebenden Gegebenheiten immer weniger kennen und die Verarmung an Sinneserfahrung ihre Fähigkeit einschränkt, die eigenen Möglichkeiten und wirklichen Bedürfnisse zu erkennen.

Dem Förderverein ist es deshalb besonders wichtig geworden, Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen Gelegenheiten zu schaffen für direkte, handlungsorientierte Auseinandersetzungen mit naturwissenschaftlichen und technischen Phänomenen. Einen besonderen Stellenwert nehmen dabei interaktive Ausstellungen ein, die die Kompetenzen der Besucher in diesen Bereichen aufgreifen und fördern wollen. Aus diesem Grund ist das Vorhaben „PhysikOnTour 1“ entstanden.


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